Paul Baum, Toskanische Landschaft, um 1929
Öl auf Leinwand, 50 x 58 cm
Signiert u. r.: P. Baum
Provenienz: Privatbesitz

 

Der Maler Paul Baum (1859-1932) ist neben Curt Herrmann der wichtigste Vertreter des Neoimpressionismus in Deutschland. Nach dem Malereistudium in Dresden und Weimar widmete er sich vor allem der Freilichtmalerei im Sinne der Schule von Barbizon. Unter dem Eindruck seines ersten Paris Besuches 1890 wandte er sich der impressionistischen Malweise zu, welche er fünf Jahre später zu einem pointilistischen Stil weiterentwickelte. Direkte Bezüge zu Kassel hatte er durch seine Freundschaft zu Carl Bantzer, der ihn nach Willingshausen einlud und eine Lehrtätigkeit an der Kasseler Kunstakademie vermittelte.

In den letzten Jahren seines Schaffens, entwickelt Baum ein beeindruckendes Spätwerk, das in seiner Art singulär ist. Von der Gruppe von diaphanen Toskana-Landschaften, die zwischen 1926 und 1932 entstanden, sind weniger als 30 Gemälde bekannt. Das Werk, das der Museumsverein erwerben möchte, stammt aus dieser späten Schaffensphase und ist für diese repräsentativ. Über der toskanischen Landschaft scheint ein Dunstschleier zu liegen. Es sind einige Bäume und Gräser sowie einzelne typisch toskanische Bauwerke zu erkennen. Der Horizont löst sich fast im hellen Himmel auf. Durch die extreme Helligkeit, die Paul Baum durch starke Weißbeimischungen erreicht, wird das Dargestellte entmaterialisiert. Die Bäume stellt er filigran dar. Die zarte Farbigkeit erschafft eine Illusion von Transparenz und Körperlosigkeit. Das Phänomen des Lichts wird geschickt eingefangen und der dynamische Pinselduktus gibt dem Dargestellten eine Struktur, die Leichtigkeit widerspiegelt. Baum denkt den Abstraktionsprozess des Neoimpressionismus weiter. Durch seinen einzigartigen Ansatz und seine komplexe Arbeitsweise ist Paul Baums Spätwerk für die Kunstgeschichte von besonderem Interesse.

Die Neue Galerie hat eine bedeutende Sammlung von Gemälden von Paul Baum, insbesondere der frühen Schaffensphasen. Eine Ergänzung der Dauerausstellung durch das zentrale Werk aus Baums später Periode als Dauerleihgabe ermöglicht es den Besuchern, seine künstlerische Entwicklung noch besser nachzuvollziehen und seine Bedeutung für die deutsche Malerei der Zeit angemessen zu würdigen.

Biografie
1859             geboren in Meißen
1876             Blumenmaler an der Porzellanmanufaktur Meißen
1877             Besuch der Kunstakademie Dresden
1878-1887     Lehrjahre an der Weimarer Kunstschule unter Theodor Hagen
1882-1886     Reisen nach Hamburg, Schwaan bei Rostock, Holland und Flandern
1887             Schüler von Friedrich Preller d. J. an der Dresdener Kunstakademie
1888             schließt sich Dachauer Malerkolonie an
1890             Reise nach Paris
1890-1894     Niederlassung in Knokke sur mer, Belgien
1894             Mitglied der Dresdener Sezession
1895             Umzug nach St. Anna ter Muiden bei Sluis, Holland, Aufenthalte in Dresden
1895-1901     Reisen nach Südfrankreich, Italien, Türkei und Kleinasien
1900-1908     ständiger Wohnsitz in St. Anna, Holland; Aufenthalte in Berlin
1902             Mitglied der Berliner Sezession
1909-1910     einjähriger Studienaufenthalt in der Villa Romana, Florenz, als Stipendiat
                   des Deutschen Künstlerbundes
1910-1914     überwiegend in San Gimignano und Florenz, Reisen an die Adriaküste
1914             Umzug nach Dresden, Ernennung zum Professor der Dresdener Akademie
1915             auf Anraten Carl Bantzers einjähriger Aufenthalt in Willingshausen
1918-1921      Lehrer für Landschaftsmalerei an der Kasseler Kunstakademie
1821-1924     Wohnsitz in Marburg
1924-1932     Niederlassung in der Toskana, in San Gimignano bzw. Santa Lucia
1927             Ehrendoktorwürde in Marburg
1929             Ehrenmitgliedschaft des akademischen Senats der Kunsthochschule Dresden
1932             gestorben am 18.Mai in Santa Lucia1