Bericht zu den Führungen zur
Provenienz-Forschung in der Gemäldegalerie
Dienstag, 7. August 2018


Herr Dr. Lange und Frau Rehm haben uns in ihren Führungen zur Provenienz-Forschung nicht nur einzelne Gemälde nähergebracht, sondern uns auch neue Aspekte der Geschichtsforschung eröffnet.

Wann wechselten Bilder ihre Eigentümer? In Zeiten großer Armut wurden mehr Gemälde verkauft als üblich. Die Sieger nach Kriegszügen betrachteten Kunstgegenstände als ihre Beute. Die führende Schicht setzte in diktatorischen Regimen eigene Besitzansprüche um oder Verlustangst drängte zu verschleiertem Transfer ins Ausland.

Für all diese Fälle hörten wir „Biographien“ von einzelnen Werken in der Gemäldegalerie. Besonders hart wurde Kassel getroffen zu Zeiten des Abzuges Napoleons, der kistenweise hiesiges Kulturgut nach Paris verschleppen ließ. Nur einige Gemälde kehrten zurück, durch Zufall verschont, wie zum Beispiel die Leda mit ihren Kindern von Rizzoli, durch zähe Verhandlungen oder durch Rückkauf wieder für ihre Heimat gesichert wie zum Beispiel die Mater Dolorosa von Ribera.

Auch die Auflösung der Göring-Sammlung nach dem zweiten Weltkrieg ermöglichte manchem Werk aus Kassel den Weg zurück an seinen Ursprungsort, wie zum Beispiel das Bildnis eines venezianischen Senators von Bassano.

Unter diesen Gesichtspunkten bekamen die uns bekannten Gemälde ein ganz neues Gesicht. Den beiden Führern wurde herzlicher Dank gesagt.

Falls Interesse besteht: es gibt im Museums-Shop eine kleine Broschüre zu den Odysseen einzelner Kunstwerke aus der Gemäldegalerie – für nur 1.- €!

Renate Fricke
Kassel, 9.8.2018